Alles liegt im Auge des Betrachters

Kunst, was ist das überhaupt?

Für mich habe ich auf diese Frage schon vor Jahren eine passende Antwort gefunden und sie meiner Romanheldin Ariane in den Mund gelegt.
Der betreffende Roman selbst spielt hier, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, nur eine kleine Nebenrolle. Es war seinerzeit mein erster Versuch und weil ich stets meinem Drang folge alles möglichst allein machen zu wollen, habe ich damals auch auf einen Lektor verzichtet, weshalb Kritiker dieses „Machwerk“ vermutlich als dilettantischen Fehlversuch oder so bezeichnen würden. Aber das Thema Lektorat hatte sich nach einer herben Enttäuschung bei der Umsetzung meines zweiten, 2002 erschienenen Sachbuches erledigt. Und wenn man für mein drittes Buch, von dem hier  die Rede ist,  die herkömmlichen Bewertungskriterien zugrunde legt, würde ich dem nun im Nachhinein sogar zustimmen. Nichts desto Trotz stehe ich zu diesem "Machwerk" und bereue keineswegs es so geschrieben zu haben.

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Motivationen, Gründe und Antriebe was auch immer und auf welche Weise zu tun oder zu lassen, die der Welt und manchmal auch uns selbst verborgen bleiben.

Doch wie dem auch sei, für mich steht immer die Schaffensfreude im Vordergrund, zumindest was meine frei wählbaren privaten Aktivitäten  betrifft,  und die hatte ich seinerzeit, als ich das Buch schrieb, allemal.

Nun denn, bei aller vielleicht berechtigten Kritik, denke ich, dass zumindest einzelne Passagen aus meinem Werk ganz brauchbar sind, um möglicherweise  einen Impuls oder Denkanstoß zu geben, die eigene Betrachtungsweise evtl. ein wenig zu erweitern.

So z.B. auch die Stelle, an der „Ariane“ mit ihrer Freundin Brigitte über Kunst philosophiert


>>„Was ist überhaupt Kunst?“, beginnt Ariane den befürchteten Vortrag, „wer bestimmt das, wer setzt da die Maßstäbe und nach welchen Kriterien?
 Ich war z.B. mal bei einer Kunstausstellung. Norddeutsche Kunst des 20. Jahrhunderts. Dort stand ich etwas ratlos vor einem großen Bild. Weißer Hintergrund und darauf in gleichmäßigen Abständen in verschiedenen Höhen senkrecht verteilt, balkenförmige Streifen, blau schwarz und weiß. Mein erster Gedanke war, da fehlt nur noch die HSV Raute. Ich hab die Bilder eine Weile betrachtet und mir gedacht, was soll das. Später erfuhr ich, dass genau dieser Künstler einen ersten Preis für sein großes Werk bekommen hat. Und es gab eine seitenlange Interpretation über Werk und Stil von einem Kunstexperten. Ich konnte mit diesen Bildern überhaupt nichts anfangen und habe, während  ich damals davorstand erlebt, dass es anderen Betrachtern ebenso ging. Aber was bedeutet das schon?
Ich will dir sagen, was Kunst für einen vermeintlichen Kunstbanausen wie mich bedeutet. Man sagt immer so schön, Kunst kommt von Können. O.k. Aber wer beurteilt nun wiederum worin sich jenes Können zeigt, das als sogenannte Kunst bewertet wird.  Für mich ist Kunst etwas ganz Einfaches, was nicht zwangsläufig mit Können im praktischen Sinne zu tun haben muss. Kunst ist für  mich ein Oberbegriff oder Synonym für Ideenreichtum, Fantasie, Kreativität, Freude, Emotion, und Faszination. Und das wirklich Wichtige für mich ist die Freude des Künstlers bei und an seiner Arbeit. Das ist es, was in erster Linie zählt. Wenn ich z.B. etwas male oder kreiere, dann ist es in dem Moment für mich völlig bedeutungslos was andere darüber denken und ob es ihnen gefällt und ob vielleicht irgendwann so ein Kunstexperte daherkommt und meine Arbeit als dilettantisches Geschmiere oder Kitsch bezeichnet. Wichtig sind für mich nur der Spaß und die Freude, die ich dabei empfinde. Und  mein Bild - oder was auch immer-,  ist dann fertig, wenn ich für mich sagen kann, >so, nun ist es gut, so gefällt es mir<. Und ich geb dir Brief und Siegel drauf, es wird immer Menschen geben, denen es ebenso gefällt, sowie andere, die damit überhaupt nichts anfangen können. Und die eigentliche Kunst besteht für mich darin, Freude und Faszination oder  Emotionen welcher Art auch immer beim Betrachter auszulösen.
Und das Maß, in dem das gelingt, macht für mich den Wert eines Kunstwerkes aus. Ich denke, das Schlimmste was einem Künstler passieren kann ist,  wenn sein Werk beim Betrachter überhaupt nichts auslöst, wenn die Menschen achtlos und gleichgültig daran vorübergehen, weil es nicht mal in den Bereich ihrer bewussten Wahrnehmung gelangt. Und so ist selbst ein Verriss letztlich  mehr Wert - und zudem oft noch werbewirksamer - als wenn gar nichts geschieht."<<


An anderer Stelle versucht "Ariane" ihrer Freundin  zu erklären, was in und hinter ihren bunten Bildern, die oft von schillernden Regenbogenfarben auf dunklem nebulösem Hintergrund dominiert werden,  steckt  und die Frage zu beantworten,
>was will uns der Künstler damit sagen?!<

>> „Der Künstler will uns damit sagen“, schmunzelt Ariane, „dass das menschliche Dasein aus etwas Ungewissem entspringt, so in etwa, wir kommen aus dem Dunkel des Ungewissen und kehren dorthin zurück ......und....., dazwischen liegt die bunte Vielfalt des Lebens.
Und jene Ungewissheit wird in diesen Bildern durch das Schwarz, Grau und Nebel ausgedrückt.
Dieses leere Dunkel des Ungewissen versuchen Philosophen, Theologen und der ganze Rest der Welt seit Menschengedenken mit  Thesen, Theorien, mit Religion und sonstigen Glaubenslehren und allen möglichen Spekulationen zu füllen, während die Wissenschaft an ihrem Urknall oder irgendwelchen Stringtheorien, Quantengeschichten und dergleichen, herumbastelt.
Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, gibt es eine Seele oder Gott,  ist mit dem Tod alles aus oder geht`s dann erst richtig los?!
Von allen Seiten ein buntes Sammelsurium an vermeintlich unumstößlichen Erkenntnissen, die sich im Laufe der Zeit immer wieder auflösen, denn
>Die Erkenntnisse von heute sind die Irrtümer von morgen<
wie einmal ein kluger Mensch sagte“.

Und all das will uns der Künstler mit diesen Bildern sagen, und ich glaube der Zauber, von dem Du sprichst, der wohl nur wenige Menschen erreicht,  liegt darin begründet, dass diese wenigen Menschen durch die vermeintlich kitschig-bunte Peripherie dieser Bilder hindurch sehen und eben intuitiv erspüren, was uns der Künstler damit sagen will. Und diese Wenigen spüren dann auch eine gewisse Faszination, die hinter diesem „Kitsch“ im Verborgenen liegt.  Es mag die gleiche Art von Faszination sein, die uns stets aufs Neue bewegt uns mangels besseren Wissens, immer wieder mit Spekulationen, Theorien und vermeintlichen Wahrheiten  auseinander zusetzen die sich während unserer physischen Existenz ebenso wenig beweisen wie widerlegen lassen.
Wir können es einfach nicht lassen,  immer wieder  zu versuchen, die Grenzen des menschliches Geistes und Begriffsvermögens sprengen zu wollen“
.<<

Aber so soll es wohl auch sein. Wäre es nicht so, würden wir vermutlich noch in Höhlen hausen, denn fort-schreiten können wir nur, wenn wir das was offenbar und  augenscheinlich ist, immer wieder hinterfragen.

Hier eine kleine Schau meiner  "kitschigen" Regenbogenbilder.                                         Was ich damit sagen will, wisst Ihr ja nun ;-)

Kitsch hin, Kitsch her, sicher gibt es unter uns rd. 7 Mlrd. Menschen außer mir noch einige andere, denen soetwas gefällt. 

Wie kaum zu übersehen ist, mag ichs gern bunt. Und so spiele ich auf unterschiedlichste Weise mit Farben oder lasse diese mit mir spielen. Dabei verwende ich gern dunkle Hintergründe in Schwarz oder in Grautönen. Eine Vorliebe, die nicht nur Kontraste schafft, sondern auch meiner philosophischen Erkenntnis entstammt....                                                                                                                              "Wir kommen aus dem Dunkel des Ungewissen und kehren dorthin zurück. Dazwischen liegt die bunte vielfalt des Lebens"

Auch wenn jeder von uns seinen eigenen Glauben über das Werden und Vergehen hat, so ist es doch immer nur ein Glaube oder ein "an etwas glauben", weil wir darüber gelesen oder davon gehört haben. Wirklich wissen könnewn wir nur das, was wir selbst durch eigenes Sehen und Fühlen erfahren haben.  Und selbst dieses "Wissen" kann nicht allgemeingültig sein, weil es der individuellen, subjektiven Wahrnehmung entspringt.

Dass mich die Farben des Regenbogens besonders gefangen nehmen ist wohl auch offenkundig. Der Regenbogen steht für mich symbolisch oder synonym für die Vielfalt in der Einheit, für Harmonie und Ergänzung von Potenzialen.

Jeder hat irgendetwas, was der andere nicht hat . Jeder kann etwas (evtl.besser), was der andere nicht kann, oder tut etwas lieber und leichter, was einem anderen schwer fällt und / oder lästig ist.

Nun ja, wir Menschen sind leider noch nicht so weit, dass sich unsere Potenziale friedlich ergänzen, denn unser Ego macht da noch nicht so ganz mit....

Farben haben da keine Probleme.